Willkommen in Mexiko

  Ich atme tief ein. Zärtlich warm und feucht streichelt die Luft durch meine Lungen. Zum ersten Mal spüre ich, dass wir in den Tropen sind – im warmen, weichen, wuchernden, wimmelnden, wohlwollenden, wohltuenden Mexiko.

Nach Mexiko!

Wir verschenken unser Sofa und unsere Topfpflanzen, packen vor Sonnenaufgang unser Bett und ein paar Kisten in einen Möbelwagen, und machen uns in unserem himmelblauen Chevy auf den Weg – raus aus der Stadt, durch die Hohlblockhöllen der Vorstadt hinauf und über die Serpentinen hinaus aus dem Tal von Mexiko.

Erste Eindrücke

  Die Felsen, die das Tal umarmen, gehören zu den ältesten Auswürfen des Vulkanbogens in unserem Rücken…

Im Dorf

Um einen runden schmiedeeisernen Musikpavillon mit fröhlich gelbem Sockel stehen →Flammenbäume, die lappigen roten Blüten leuchten in der tiefstehenden Sonne. In den Ästen einer lila blühenden →Jacaranda an einer Ecke des Platzes kreischen die →Grackeln. In jeder der vier Ecken drückt sich ein küssendes Pärchen…

Die Teufelchen von Malinalco

Vor etwa zehntausend Jahren kamen von hier oben die ersten Menschen ins Tal. Erst jagten sie, später bauten sie Hütten, pflanzten Mais, Bohnen, Tomaten, Kürbisse und Chilischoten und pflückten Avocados, Mangos und Papayas. Immer neue Stämme kamen über die Vulkane, errichteten ihre Tempel und verehrten die blühende Natur.

Menschen aus Mais

Ob man über Mexiko schreiben kann, ohne den Mais zu erwähnen? Ich glaube nicht — Mexikaner sind schließlich Menschen aus Mais!

Über Märkte schreiben

Pablo Neruda meinte, dass auf den Märkten die Seele Mexikos zu finden sei. Doch der chilenische Dichter, der zu Beginn der vierziger Jahre drei Jahre lang als Botschafter seines Landes in Mexiko lebte, unternahm wohlweislich keinen Versuch, sie zu beschreiben. Das ist eine Aufgabe, an der sich ausländische Besucher seit fünf Jahrhunderten die Zähne ausbeißen.

Licht!

Der 2. Februar — Día de la Candelaria oder Lichtmess — ist ein volkstümlicher Feiertag, mit dem die Weihnachtszeit endet. Es ist der Tag, an dem Jesus in den Tempel eingeführt wird, und natürlich wird er auch in Malinalco begangen.

Der Mythos der Malinalca

Wenn man den alten Mythen glaubt, dann sind die Malinalca die Vettern der Mexica (besser bekannt als die Azteken) und kamen mit ihnen aus einem mythischen Ort namens Chicomóztoc, dem Ort der sieben Höhlen, irgendwo weit im Norden.

Das Heiligtum der Mexica

  »Hier, in diesem heiligen Kreis, haben die Mexica ihre Krieger geweiht. Auch der große Cuauhtemoc, der letzte Herrscher der Mexica, ist hier geweiht worden…

Die Ausgräber

Nicht nur Tempel haben ihre Geschichte, sondern auch ihre Ausgrabung viele Jahrhunderte später. Die Ausgrabung des Adlertempels von Malinalco ist eng mit dem Namen eines legendären Präsidenten verbunden.

Tod und Kaninchen

Die Kapitel meines Buchs In Mexiko sind nicht durchnummeriert, sondern nach den Monaten des rituellen Kalenders der Mexica benannt. Den beschreibe ich im Anhang des Buchs, aber weil ja nicht jeder hinten mit dem Lesen beginnt, hier eine kurze Erläuterung.

Auf die Pauke

Viele haben sich an der Interpretation der Kriegstrommel von Malinalco versucht. Anfang des 20. Jahrhunderts stellten auch die beiden deutschen Mexikoforscher Eduard Seler und Konrad Theodor Preuß ihre Theorien auf und nutzten das Instrument für ihren akademischen Kleinkrieg.

Wasser!

Wasser ist in Mexiko ein großes Problem. Während der Trockenzeit von November bis Mai regnet es sieben Monate lang kaum, aber selbst wenn es regnet, muss dieses Wasser auch ins Haus kommen. Das ist einfacher als es klingt!

Im Paradies

Was wir in Malinalco suchen? Mindestens das Paradies. Und damit sind wir in Malinalco auch gar nicht so falsch — vor uns haben es dort schon ganz andere gesucht und gefunden.

Hausfreunde

Vom Bett aus sehen wir eines Abends, wie erst einige Dutzend, und plötzlich Hunderte von Ameisen durch den Spalt unter der Tür hereinkommen.

Passion

Ein Paar Reitersoldaten nach dem anderen durchreitet den Doppelbogen. Die meisten sind erwachsene Männer, einige haben ihr Söhnchen in voller Montur auf dem Sattel vor sich sitzen.

Um Gottes Willen

Wie alle Kapellen ist sie nach Jerusalem ausgerichtet, aber weil sie auf der anderen Seite der Hauptstraße steht, sieht es so aus, als würde sie dem Dorf den Rücken zukehren.

El otro lado

Im Norden Mexikos gehört die Arbeitsmigration in die USA schon lange zur Kultur. Wie der Journalist und Schriftsteller Fernando Benítez in den 1950ern schrieb:

Wanderer

Wenn im reichen Westen über Migration gesprochen wird — und in Deutschland ist sie ja gerade Dauerthema —, dann aus Sicht der Zielländer. Aber natürlich hat sie auch riesige Auswirkungen auf die Herkunftsländer. Wie in Malinalco.

So schmeckt Malinalco

In Deutschland bedeutet »mexikanische Küche« vor allem überbackene Enchiladas. Kaum jemand käme auf den Gedanken, dass das Gericht, das sich in diesem Alupäckchen verbirgt, eines der (vielen) Leib- und Magengerichte der Mexikaner sein könnte. Dabei kommt rund um Mexiko kein Ausflugsort ohne dieses Gericht aus. (Ein Textbruchstück, das es nicht ins Buch geschafft hat.)

Handwerk

In Malinalco wird ein Handwerk gepflegt, das es in Mexiko wohl seit Jahrtausenden gibt: die Weberei mit dem telar de cintura, dem „Hüftwebstuhl“.

Gewitternacht

Nach einer Woche kann ich eine Typologie des Donners aufstellen. Die einen rollen hoch in der Luft über die Felsen hinweg. Andere krachen zwischen den Felswänden hin und her wie riesige Steinkugeln.

Exil

  Sie kamen in das Tal von Malinalco. Es war tief wie ein Riesenbecher, angefüllt mit Fruchtbarkeit und Duft.

Y más flores

Der mexikanische Dichter und Nobelpreisträger Octavio Paz behauptete, die Blumen gehörten zu den großen Lastern der Mexikaner.

El tigre

Ein Buch mit dem Untertitel „Reise in ein magisches Land“ verdient auch ein magisches Cover. Und das hat es mit dem Titelbild auf sich.

Wahltag

In Mexiko gehöre Wahlbetrug schon zur Folklore, hört man oft. Ich habe mich immer gefragt, wie das funktioniert, und in Malinalco viel gelernt.

Mit allen Sinnen

Neben dem Tor bindet eine junge Frau, ihr Baby in einem Tuch auf dem Rücken, die letzten Callas zusammen und schleppt sie die Gasse hinunter.

Warum Malinalco?

Hin und wieder werde ich gefragt: Warum Malinalco? Was macht dieses Dorf so interessant, dass man ein ganzes Buch darüber lesen soll? Darauf habe ich zwei Antworten.

Recht und Gerechtigkeit?

Im Süden von Malinalco liegt die Hacienda Jalmolonga, die Jahrhunderte lang die Bauern von Malinalco ausbeutete und ihnen das Land raubte. Heute ist sie einmal mehr Symbol der Ungleichheit und Ungerechtigkeit in Mexiko.

Land und Freiheit!

Malinalco ist eine bedrohte Kultur und eine Kultur im Widerstand — wie eigentlich alle ländlichen und indigenen Kulturen Mexikos. Auch darum geht es in meinem Buch In Mexiko.

Tanz!

Dazwischen marschieren Blaskapellen mit blitzenden Tubas und Trompeten, und die Chinelos, die über das Pflaster hopsen wie Tanzkreisel und in ihren bunten Samtkostümen, Topfhüten und Spitzbärten aussehen wie die Heiligen Drei Könige aus dem Puppentheater.

Mexica

Vor und zurück tanzen die Mexica im Gleichschritt, nach rechts und nach links, Blüten tanzend, mit sonderbar hüpfenden Drehsprüngen und Verbeugungen, die Federn wippen im Takt, die schwitzenden Leiber glitzern in der immer höher steigenden Sonne.

Die Seele von Malinalco

Nirgends versteht man Mexiko besser als auf dem Dorf, und nirgends versteht man das Dorf besser als auf der Fiesta — der Seele des Dorfs.