Tanz!

Dazwischen marschieren Blaskapellen mit blitzenden Tubas und Trompeten, und die Chinelos, die über das Pflaster hopsen wie Tanzkreisel und in ihren bunten Samtkostümen, Topfhüten und Spitzbärten aussehen wie die Heiligen Drei Könige aus dem Puppentheater.

Foto: Wikimedia

Die Chinelos wagten sich Mitte des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal auf den Karneval von Tlayacapan im Bundesstaat Morelos. Eine Handvoll junger Leute hatte damals die Nase voll davon, von den Fiestas der Reichen ausgeschlossen zu werden, weil sie keine aufwändigen und teuren Kostüme hatten. Also banden sie sich Taschentücher um den Kopf, schlüpften in ihre schlimmsten Lumpen und hopsten wie Besessene zu schrägem Getrommel und Getröte durch die Gassen.

Heute dürfen die Chinelos auf keiner Fiesta fehlen, und zwar nicht nur in Tlayacapan, sondern in vielen Ortschaften von Morelos, in den barrios von Coyoacán oder eben auch in Malinalco. Die Musik und das Gehopse haben sich vermutlich kaum geändert. Und das Taschentuch tragen sie auch immer noch um den Kopf, allerdings gut versteckt unter aufwändigen und teuren Kostümen, die in jedem Ort ein klein wenig anders aussehen (weshalb Kenner natürlich sofort bemerkt haben, dass der Chinelo auf dem Titelfoto gar nicht aus Malinalco kommen kann, sondern aus — ja, woher denn?)

Und noch etwas hat sich geändert: Irgendwann einmal, so heißt es, durften nur Männer an diesen Tänzen teilnehmen, doch das gilt heute nicht mehr. Und in Malincalo verstecken sich unter den Bärten sogar ausschließlich Frauen und Mädchen.

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In_MexikoJürgen Neubauer
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